Vom Wesen der Verschwörungstheorie

Impressionen meiner Werke

Wenn etwas zur Geltung kommt, hat es implizierte Horizonte des Vorher und Nachher und diese versammeln sich zur Einheit des Gegebenen. Denn alle Teile agieren und überlagern sich zur Verständlichkeit aus ihrer ursprünglichen Bestimmung hin zu gemeinsamer neuer Qualität. Das Unfertige erscheint vorlaufend dem zunächst abstrakten Erkennen hin zum Seienden. Das ist auch Ursache dafür, dass aus einer Gesamtheit des Möglichen etwas Bestimmtes sich im Gang des Werdens solide erklärt.

In dieser Vielfalt ist auch das Suchproblem kriminalistischer Aufklärung begründet. Hat man nur einen vorliegenden Fall führen jedoch viel Wege zum Täter. Ausgehend von empirisch gesichteten Annahmen spleißt sich die Spur zum Täter – oft in mannigfaltige Zirkeln des Versuchs und späterhin ausgesonderten Irrtums – auf. Jeder Zirkel oder Gang gewinnt zunehmenden Wahrheitsgehalt durch Vertauschen oder anders angeordnete Fakten, wobei Zweifel ein wertvolles forensisches Werkzeug ist. So ist der Ermittlungserfolg eine Rekonstruktion veränderter Vermutungs- oder Plausibilitätsteilen in wechselnder durchlaufender Vertauschung.

Nun produziert gesellschaftliches Zusammenleben im öffentlich-politischen Raume ebenfalls Situationen des Allgemeininteresses. Informanten über deren Inhalte sind überwiegend die etablierten Informationsvermittler per Nachrichten, Bild und Film. Doch selbst der interessierte Zeitgenosse vermag die Authentizität der Meldungen nicht prüfen können, da er dazu an knappen informativen Ressourcen leide. Deshalb mag für kritische Beobachter der berichtete Inhalt nicht glaubwürdig sein, vor allem dann, wenn große politische Ereignisse Wirkungsmächtigkeit zeigen, deren Zustandekommen aber nicht plausibel erscheine.

Und nun setzt der kritische Verschwörungstheoretiker ein. Denn der Wahrheitsgehalt von Geschichte und Geschichten gründet sich weniger auf deren Tatsächlichkeit als vielmehr auf ihre Glaubwürdigkeit. Nicht von vornherein wird Zweifel gesetzt, sondern es ist so, als wenn gesetzter Inhalt offizieller Nachricht entweder zu viele Leerstellen aufweise oder so überfrachtet erscheine, dass es zu schön sei, um wahr zu sein – Abschweifung oder Steigerung wetteifern miteinander um die Gunst scheinbarer Klarheit oder gesetzter Wahrhaftigkeit. Denn der Wahrheitswert eines Objekts beruht darauf, dass es uns ein anderes zugänglich mache. Dieser Wert beruht auf zwei Koeffizienten: Einmal den Inhalt dessen, was er uns vermittelt und zum anderen die Sicherheit, mit der ihm diese Vermittlung gelingt. Stimmt hier etwas nicht, passen in interner Bindung an beiden kennzeichnenden Größen auch andere Modi, so setzt jetzt der  Zweifel des Verschwörungstheoretiker an mit einem – es hätte auch so sein können.

Und in diesem Fundus des Möglichen wird er nun recherchieren und nach plausibleren Gründen des Gegebenen suchen. Er geht hier ebenso forensisch vor, doch fehlen ihm die kriminaltechnischen Mittel. In Ermangelung derer sucht er aus öffentlich bekannten Stücken medialer Perspektive nach Mustern auf verbindende Werte in quasi zweiter Ebene. So ist sein Ermittlungserfolg eine Rekonstruktion in Zirkeln von innerer Bewegung von einem zerstreuten zweifelnden Zustand in einen konzentrierten mit Zunahme des Wahrheitsgehaltes – so war es! 

Aus dieser Arbeitswelt baut sich der Stoff des Thrillers «Der Prozessor».

Ingo R. H. Treuner

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